Prozess um getürkte Stundenzettel

  • Prozess um getürkte Stundenzettel

    Prozess um getürkte Stundenzettel
    Bad Wildungen/Korbach. Das Angebot
    vor zwei Jahren mag verlockend gewesen sein: Nach der Kündigung in einer
    Spielhalle sollte die Frau im selben Lokal weiterbeschäftigt werden –
    und ihren Lohn bar oder per Scheck erhalten.


    Nebenbei konnte sie so noch Arbeitslosengeld kassieren, insgesamt 12 000
    Euro in zwei Jahren. Doch am Mittwoch bekam die 65-Jährige am Korbacher
    Amtsgericht die Quittung für ihr rechtswidriges Verhalten.
    „Es
    handelt sich hier um einen erheblichen Betrag und einen Schaden, der mit
    Geld allein nicht mehr abzugelten ist“, ging der Staatsanwalt hart mit
    der Angeklagten ins Gericht. Er hatte in seinem Plädoyer acht Monate
    Bewährungsstrafe gefordert, Richter Wolfgang Damm verringerte sie auf
    ein halbes Jahr und ließ durchblicken, dass die Strafe milde ausgefallen
    sei. Das liegt vor allem daran, dass sich die Bad Wil­dungerin
    einsichtig zeigte, in ihrem bisherigen Leben noch nie strafrechtlich
    aufgefallen war und in geordneten Verhältnissen lebt. Die
    Bewährungszeit, in der sie sich nichts zuschulden kommen lassen darf,
    beträgt drei Jahre.





    Und was bekommt der Spielhallenbetreiber?

    Leider steht zumindest hier in der Online-Ausgabe nicht, womit der
    Angebotsunterbreiter zu rechnen hat. Meines Erachtens für die
    Dreistigkeit mindestens das doppelte an Strafe. Und nur mal eins am
    Rande. Solche Praktiken sind grad im 400-Euro-Bereich gang und gebe. Das
    Amt trägt den Löwenanteil der sozialen Abgabe, spart sich der
    Arbeitgeber. Aber damit genug Arbeitsleistung erbracht wird, gibt es die
    ein oder andere Sonderzahlung. Bei solchen, zum Teil als Stellenangebot
    vom Arbeitsamt offerierten Angeboten bleib grad Menschen, die schon
    länger nicht mehr im Erwerbsleben meist keine Wahl. Oder nur eine
    kleine: Habe ich Moral und Unrechtsbewusstsein oder einen Job, mehr Geld
    und die Anerkennung in der Gesellschaft, dem Staat nicht mehr ganz auf
    der Tasche zu liegen. Ich bin wirklich froh, dass ich diese Entscheidung
    bisher zum Glück noch nicht treffen musste.