Sicherheitspersonal verändert Spielautomaten

  • Sicherheitspersonal verändert Spielautomaten

    Sicherheitspersonal verändert Spielautomaten
    Durch
    Manipulationen an Geldspielautomaten in Deutschland soll der
    niederländische Spielhallenbetreiber Casino Royal innerhalb von knapp
    einem Jahr um 1,5 Millionen Euro betrogen worden sein. Stimmt die
    Anklage der Staatsanwaltschaft Essen, hat das Unternehmen den Schaden
    durch eine schlechte Personalauswahl selbst verursacht. Denn der
    Hauptangeklagte im Betrugsprozess vor dem Landgericht ist der
    Sicherheitsbeauftragte von Casino Royal, der 54 Jahre alte Ali T. aus
    Gelsenkirchen.

    In Verdacht als Komplizen stehen aber auch der Geschäftsführer und
    der technische Direktor der Firma, Paul C. und Sander K., beide aus den
    Niederlanden. Sie sollen ein eigenes Verfahren bekommen.

    Auch für die Spieler weniger Geld an den Automaten

    Durch die Manipulationen an der Software von Geldspielautomaten der
    Firma Löwen Entertainment ist laut Anklage aber nicht nur das
    niederländische Unternehmen geschädigt worden, durch Herabsetzung der
    Auszahlungsquote dieser Geräte gab es auch für die echten Spieler
    weniger Geld an den Automaten. Und schließlich sollen auch noch die
    eigentlichen Betrüger Opfer geworden sein, weil ihre Helfershelfer die
    Gelder zum Teil in die eigenen Tasche geleitet hatten.

    Wie seriöse Geschäftspartner sehen am Montag zum Prozessauftakt die
    sieben Angeklagten vor der I. Essener Wirtschaftskammer aus. Sie kommen
    alle aus Gelsenkirchen. Neben Ali T., dem Hauptangeklagten, kommt
    besonders seinem Schwiegersohn Benjamin P. eine besondere Rolle zu. Denn
    der 33-Jährige war der Computerfachmann, der die Software des
    Automatenherstellers mit einer eigenen Programmierung überlistet haben
    soll. Er hatte im Vorfeld die Vorwürfe eingeräumt und dem
    Landeskriminalamt bei der Aufklärung geholfen. Sein Anwalt Siegmund
    Benecken kündigte am Rande des Prozesses ein Geständnis an. Am ersten
    Prozesstag kam es nur zur Verlesung der 91 Seiten umfassenden
    Anklageschrift.

    Ali T. gilt der Staatsanwaltschaft als “Branchenintimus in Sachen
    Manipulation/Manipulationsschutz von Geldspielautomaten”. Er soll sich
    seit mehr als drei Jahrzehnten um die Schwachstellen der anfangs rein
    mechanischen Automaten gekümmert haben. Schon damals soll er durch
    Manipulationen Gewinne gemacht und die Probleme anschließend den
    Herstellern mitgeteilt haben. So kam er wohl an viele Beraterverträge,
    um Manipulationen zu verhindern.

    Schaden in Millionenhöhe

    Aber offenbar hatte die Firma Casino Royal mit ihm den Bock zum
    Gärtner gemacht, als sie ihn als Sicherheitsbeauftragten einsetzte.
    Anfang 2014 hatte sich beim Landeskriminalamt Baden-Württemberg ein
    Informant gemeldet, der Ali T. erheblich belastete. Der Mann, ein
    Mitarbeiter des Automatenherstellers, gab an, Ali T. verursache durch
    Manipulationen an der Gerätesoftware einen Schaden in Millionenhöhe.


    Polizei und
    Staatsanwaltschaft Essen nahmen die Ermittlungen auf und gewannen
    schnell ein klares Bild. Danach wurden die Auszahlungsquoten an den
    Geldspielautomaten so geändert, dass der Gewinn des
    Spielhallenbetreibers stieg und die Kunden seltener gewannen.

    Besonders lukrativ war aus Sicht der Ermittler aber das System, das
    Ali T. mit mehreren seiner Bekannten aus Gelsenkirchen aufzog. Er setzte
    sie nach Polizeierkenntnissen bundesweit als “Läufer” ein. Sie bekamen
    den Tagescode der manipulierten Geräte mitgeteilt und konnten so an den
    Automaten illegale Gewinne verbuchen und in Bargeld ausgezahlt bekommen.
    Mal waren es 400 Euro, mal 1000.

    Möglich waren die Softwaremanipulationen laut Anklage aber nur durch
    die Mitwirkung der Chefs des Spielhallenbetreibers Casino Royal. Die
    Überwachung von Telefonaten innerhalb der mutmaßlichen Bande zeigte den
    Ermittlern auch, dass die Betrüger selbst zu Betrogenen wurden. Denn die
    “Läufer” entwickelten eigenen Geschäftssinn und leiteten nicht alle
    ausgezahlten Gelder an die Chefs weiter.